Interview mit unserem Digital-Team

«Mal wieder staunen können»

Christian Streng und Luca Tomasi sind bei Messerli die ersten Ansprechpartner, wenn digitale Komponenten für Live Experiences gefragt sind. Im Interview erzählen sie, was ihnen daran besonders gut gefällt – und was im Kundenkontakt besonders gut funktioniert.

Wie seid Ihr in der digitalen Welt von Messerli gelandet?

Christian Streng: Ich habe ursprünglich Dekorationsgestalter in einer Werbeagentur gelernt. Dort hatte ich bereits Gelegenheit, Messekonzepte zu machen und schnell gemerkt, dass das eher meine Welt ist. Mein Einstieg in den digitalen Bereich passierte vor etwa sechs Jahren. Wir überlegten uns: Wie können wir unseren Kunden ein besseres räumliches Verständnis der Projekte vermitteln? Denn selbst wenn wir schöne Renderings machen, bleiben sie doch eine «flache» Ansicht und geben nur eine begrenzte Idee des ausgearbeiteten Konzeptes. Im Gespräch mit unseren Partnern der Firma ZAAK kam die Idee auf, unsere Modelle für Messebau- und Eventprojekte digital zu erstellen. Heute ist die Technologie, die wir dafür nutzten, als Augmented Reality bekannt. Ich hatte die Chance, mich intensiv an diesem Entwicklungsprojekt zu beteiligen.

 

Luca Tomasi: Nach meiner Ausbildung in Elektromechanik und Elektronik habe ich genau drei Monate auf diesem Beruf gearbeitet. Durch meinen Freundeskreis, der hauptsächlich aus Grafikern bestand, habe ich dann die Liebe zu Grafikdesign und Computern entdeckt. Schnell waren 3D-Animationen mein Steckenpferd und ich arbeitete während elf Jahren bei verschiedenen Firmen im Bereich Post Production für Film und Fernsehen. Vor 13 Jahren habe ich mich selbständig gemacht. Zuerst ebenfalls mit 3D-Animationsprojekten. Vor sieben Jahren dann kam der Schritt zu Interaction Design. Von da an bin ich immer mehr umgeschweift auf interaktive Installationen. Mit meinem Teilzeit-Pensum bei Messerli habe ich jetzt die Möglichkeit, etwas mit aufzubauen und die Grenzen zwischen dem Analogen und dem Digitalen zu verschmelzen.

Was fasziniert euch besonders am Digitalen?

Luca Tomasi: Wenn man mit dem Entwickeln einer Installation startet, dann ist das nicht nur ein leeres Blatt, sondern eine leere, kleine, reale Welt. Darin muss man ein Umfeld bauen, Inhalte erstellen, man ist Geschichtenerzähler und Bühnenbildner. Man muss sich in den Betrachter hineinversetzen und sich überlegen: Was will er vielleicht genauer anschauen? Was weckt seine Neugier? Und ich finde es spannend, Einblick in sonst unsichtbare Welten zu geben. Der Betrachter soll mal wieder staunen können, was Kindern leichtfällt, Erwachsene aber oft verlernt haben. Wir müssen das wieder hervorkitzeln und Dinge zeigen, die man im Alltag oder in der Realität nicht sehen kann.

 

Christian Streng: Mir gefällt gut, dass man mit den digitalen Tools ein neues Tor öffnen kann. Das hatten wir früher nicht. Interaktiv ins Geschehen eingreifen können, ohne dass grosse bauliche Installationen nötig sind: Das geht nur, wenn dieser Teil digital realisiert werden kann. Wir stehen hier noch am Anfang einer Entwicklung und sind noch nicht am Ende der Möglichkeiten angelangt. Für mich ist es wichtig, dass man neue Ideen entwickeln kann und auch mitbekommt, was im Markt passiert.

Luca Tomasi, Interaction Designer, Andreas Messerli AG

«Wenn man mit dem Entwickeln einer Applikation startet, dann ist das nicht nur ein leeres Blatt, sondern eine leere, kleine, reale Welt.»

In welchen Technologien seht ihr das grösste Zukunftspotential?

Luca Tomasi: Es ist eine grosse Herausforderung abzuschätzen, welche Technologien sinnvoll sind und was eine Spielerei bleibt. «Gadgets» kommen und gehen und haben, wie leider vieles in der digitalen Welt, nicht sehr viel Gehalt – oder es fehlt an der konsequenten Umsezung. Andere Technologien besetzen ihre Nische dort, wo es sinnvoll ist. Ich glaube aber nicht an einen technologiegetriebenen Ansatz. Man darf den Menschen nicht unterschätzen. Ich glaube alle Technologien oder Ideen, bei denen es darum geht, dass der Mensch involviert ist, dass er vielleicht für einen kurzen Moment alles um sich herum vergisst, dass er kurz staunt und fasziniert ist, haben Zukunft.

Christian Streng: Unser Kerngeschäft bleibt Live Experience. Das heisst wir beschäftigen uns weniger mit der Technologie an sich, als mit Gedanken darüber, welche neuen Tools wir sinnvoll in diese Landschaften einpflegen können. Und wie wir damit einen Mehrwert generieren. Wir setzen uns schon länger mit diesem Thema auseinander und können daher unseren Kunden auch Empfehlungen abgeben, was sich für ihre spezifischen Bedürfnisse eignet.

Was funktioniert besonders gut als Aktivierungsmassnahme?

Christian Streng: Wer sich nur in der analogen Welt bewegt und dann plötzlich in die Digitale geschupst wird, ist schnell überfordert. Darum braucht es einen soften Übergang. Mir gefällt das, was sich zwischen digital und analog bewegt. Also beispielsweise eine Holzwand, mit schönen Illustrationen drauf, die man berühren und so einen Prozess in Gang setzen kann. Der löst dann in Form von Projektionen beim Betrachter Emotionen aus. Unser Ziel muss immer sein, dass sich die Menschen eine positive Verbindung zum Ereignis aufbauen und sich an etwas Besonderes erinnern.

Luca Tomasi: Es geht um die Frage: Wie wird der Mensch aufmerksam? Und wir sind wohl genetisch darauf getrimmt, auf Bewegungen zu achten. Es könnte ja ein Tiger sein, der mich angreift. Erstes Ziel muss also sein, diesen Moment vom Innehalten und Hinschauen zu erzeugen. Wir schlittern immer mehr in eine kognitive Welt. Alles wird intellektualisiert. Aber wir sind immer noch Wesen mit sämtlichen Sinnen, und diese müssen auch angesprochen werden. Uns muss es also gelingen, nicht nur das Visuelle anzusprechen, sondern diese ganze Technik zu nutzen, um weitere Impulse zu geben. Das heisst also auch, nicht nur rein zweck- oder verkaufsorientierte Umsetzungen anzustreben, sondern alle Sinne anzusprechen. Und so einen positiven Image-Transfer zu erreichen.

Welche Argumente überzeugen Kunden davon, in digitale Aktivierungs-Elemente zu investieren?

Luca Tomasi: Rein digitales hat leider ein Wertigkeitsproblem. Genau so wie das Analoge oder Reale den Ruf haben, unflexibel zu sein. Ein Argument kann also sein: Man verwendet eine analoge Trägerstruktur und kann diese flexibel mit digitalen Inhalten erweitern. So gibt man ihr eine zweite «Spielzeit». Ob du nun eine Installation für drei Tage an der Messe hast, oder für ein Jahr am Firmensitz: Der Aufwand ist gleich gross. Für uns ist es daher auch immer wichtig vom Kunden zu erfahren, wo solche Elemente sonst noch eingesetzt werden könnten: Gibt es einen Showroom oder einen Eingangsbereich, der dadurch aufgewertet werden kann? Das hat natürlich grossen Einfluss auf die finanzielle Rechtfertigung.

Christian Streng: Genau, diese «Mehrfachverwendung» ist meistens das wichtigste Argument. Es ist in unserer Verantwortung, diese verschiedenen Möglichkeiten aufzuzeigen. Und bis jetzt war das Feedback der Kunden sehr positiv.

Christian Streng, Leiter Planung, Konzept und Design, Andreas Messerli AG

«Je besser wir uns auf den Kunden vorbereiten, desto zielgerichteter können wir ihn auch unterstützen und das Projekt in eine Richtung lenken, die den Kunden ans Ziel bringt.»

Was ist die grösste Herausforderung beim Umsetzen solcher Projekte?

Luca Tomasi: Inhalt ist ein riesiges Thema. Und ich denke, das hat mit den bewegten, interaktiven Medien noch zugenommen. Damit wir den bestmöglichen Job machen können, brauchen wir möglichst viele guten Informationen und Materialien. Es ist immer schön, wenn ein Kunde schon mit bestimmten Ideen in ein Gespräch kommt oder einen Beispielfilm zeigt, der seinen Vorstellungen entspricht. Das kann eine gute Ausgangslage sein. Es ist aber wichtig, sich nicht auf bestimmte Technologien zu versteifen. Besser ist es, diese aus dem gewünschten Effekt oder den zu vermittelnden Inhalten herzuleiten. Im gemeinsamen Gespräch kann man dann das Beste erarbeiten.

Christian Streng: Wir müssen dem Kunden hier die Hand reichen und ihn unterstützen. Besonders wenn man neue Wege geht, ist es für den Kunden schwierig abzuschätzen, mit welchen Inhalten er uns beliefern soll. Aber je besser wir uns auf den Kunden vorbereiten, desto zielgerichteter können wir ihn auch unterstützen und das Projekt in eine Richtung lenken, die den Kunden ans Ziel bringt.

Vielen Dank für dieses Gespräch!